Kristallklares Wasser, traumhaft schöne Strände, – die gut 82 Quadratkilometer große Insel Formentera braucht sich keineswegs hinter seiner großen Schwester Ibiza zu verstecken. Wie so oft bei Geschwistern sind beide Inseln zwar Teil der Balearen und damit verwandt, vom Charakter und ihrer Persönlichkeit könnten die beiden beliebten Urlaubsinseln nicht grundverschiedener sein.
Während Ibiza quirlig und trubelig ist und weitestgehend dem Party-Lifestyle frönt, besticht Formentera durch seine Natürlichkeit, Ruhe und Gelassenheit. Da die Insel lange Zeit ein Geheimtipp unter Hippies und Aussteigern gewesen ist und der Tourismus erst in den 80er-Jahren dieses kleine Inselparadies für sich entdeckt hat, hat sich die zweitkleinste Baleareninsel bis zum heutigen Tage ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Große Hotelanlagen und überlaufene Touristenorte sucht man hier vergebens, stattdessen beherrscht noch immer die Natur in Form dichter Pinienwälder, schroffer Felsküsten, einer ländlichen Hochebene sowie eine ausgedehnte Dünenlandschaft das Antlitz dieses Eilandes. Doch neben einer grandiosen Naturlandschaft hat Formentera noch weitere Attraktionen und Sehenswürdigkeiten zu bieten, die einen Urlaub erlebnisreich und unvergessen machen.
Zur Inselerkundung stehen Urlaubern entweder Mietwagen zur Verfügung oder sie steigen besser gleich auf das Fahrrad um, denn abgesehen von der kleinen, wenige hundert Meter hohen Hochebene im Süden ist die Insel ausgesprochen flach und radlerfreundlich. Zudem führen die sogenannten „caminos verdes“, 19 ausgewiesene Fahrradrouten, in jeden noch so entlegenen Winkel Formenteras und lassen die Entdeckungstour zu einem besonderen Erlebnis werden. Folgende Sehenswürdigkeiten sollten Urlauber dabei auf jeden Fall ansteuern:

Sant Francesc de Formentera –Das Tor zur Insel

Am besten beginnen Urlauber ihre Rundreise im nördlich gelegenen Hauptort „Sant Francesc“. Dieser liegt nur etwa drei Kilometer vom Inselhafen „La Savina“ entfernt, der nicht nur die einzige Fährverbindung nach Ibiza darstellt, sondern auch die einzige Möglichkeit auf die Insel zu reisen, denn einen Flughafen besitzt Formentera nicht. Wahrzeichen und eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Insel ist die trutzige Wehrkirche „Sant Francesc Xavier“ aus dem 18. Jahrhundert, die mehr Ähnlichkeit mit einem Bergfried als einer Kirche hat. Ebenso sehenswert ist die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kapelle „Sa Tanca Vella“. Die reiche Kulturgeschichte der Insel reicht von der Kupfersteinzeit über Phönizier und Punier bis hin zu den Römern und Byzantinern sowie den Katalanen und wird ausgiebig im Ethnologischen Museum der Stadt dargestellt. Während der Urlaubssaison findet zudem täglich ein Kunst- und Hippiemarkt statt, auf dem so manches besondere Fundstück bereits einen neuen Besitzer erhalten hat.

Estany Pudent und Estany des Peix – Vogelbeobachtung und Wassersport

Beiderseits des Hafenortes „La Savina“ liegen zwei Salzlagunen, die noch immer von der früheren Jagd nach dem „Weißen Gold“ künden. Schon die Römer sollen an Ort und Stelle das kostbare Salz abgebaut haben. Auch heute finden sich noch ein gutes Dutzend Salzbecken am Rand der größeren der beiden Lagunen. „Estany Pudent“ macht ihrem Namen alle Ehre, den „pudent“ bedeutet übersetzt so viel wie „stinkend“ und gibt Hinweis auf den mitunter unangenehmen Geruch, der vom Schwefel sowie der Zersetzung von Algen herrührt. Davon abgesehen ist die Lagune ein wahres Paradies für Vogelkundler, die hier im seichten, warmen Wasser eine Vielzahl verschiedener Seevögel beobachten können. Doch auch ein mehrstündiger Spaziergang rund um die Lagune ist ein besonderes Erlebnis.
„Estany des Peix“, die kleinere der beiden Salzlagunen, ist ein El Dorado für Wassersportler. Das ruhige, glatte Wasser erlaubt hier nicht nur Paddeltouren mit Kayak oder Kanu, sondern bietet auch für Verfechter des Stand-Up-Paddlings beste Bedingungen.

Platja de Ses Illetes – der vielleicht schönste Strand der Insel

Von der großen Salzlagune „Estany Pudent“ aus sollten Urlauber unbedingt den Wegen in Richtung Norden folgen. Hier läuft die Insel in eine schmale, langgezogene und von einer beispiellosen Dünenlandschaft geprägte Landzunge aus, an deren Küstenlinie sich nicht nur eine Vielzahl an traumhaften Sandstränden aneinanderreihen, sondern der wahrscheinlich schönste Strand der Insel befindet. Der Platja des Ses Illetes ist neben seinem karibisch anmutenden Flair aus strahlendweißem Sand und kristallklarem Wasser ebenso für seine wunderschöne Aussicht auf die vorgelagerte Weltnaturerbe-Insel Espalmador bekannt. Viele Bootsbesitzer und –ausflügler kommen von Ibiza rüber und gehen hier vor Anker, um den grandiosen Sonnenuntergang mit Blick auf die Südküste Ibizas zu genießen.

Ca Na Costa – die letzten Überreste einer megalithischen Grabstätte

Auf dem Weg zurück nach Sant Francesc ist ein Besuch des zwischen der Salzlagune Estany Pudent“ und dem kleinen Örtchen Es Pujols gelegenen Dolmengrabes „Ca Na Costa“ empfohlen. Hierbei handelt es sich um die bedeutendste Fundstätte vorgeschichtlicher Siedlungsaktivitäten. Die dort gefundenen Knochenreste stammen noch aus der Kupfersteinzeit (ca. 2.000-1.600 v. Chr.) und zählen damit zu den ältesten Siedlungsspuren auf Formentera.

Cap de Barbaria – schroffe Felsen und rauschendes Meer

Wieder angekommen im Inselhauptort Sant Francesc stehen Urlaubern zwei mögliche Wege die weiteren Sehenswürdigkeiten der Insel zu entdecken. Aufgrund ihrer besonderen dreiecksartigen Form können Besucher sowohl in Richtung Südwesten als auch Südosten aufbrechen. Der südlichste Punkt Formenteras befindet sich im Südwesten am Cap de Barbaria. Vorbei an Feldern, Weinbergen und Pinienhainen führt die Straße schließlich auf eine nahezu baumlose, karge Hochfläche, an deren Ende ein strahlend weißer Leuchtturm, der Far des Cap de Barbaria, wie ein einsamer Wächter in den wolkenlosen Himmel ragt. Dieser steht am Rand der Felsklippe, an der sich gut 80 m weiter unten brausend und tosend die Wellen brechen. Zwischen Meer und Leuchtturm befindet sich mit der „Cova foradada“, eine zum Meer hin geöffnete Höhle, eine weitere Sehenswürdigkeit. Eine kleine Wanderung durch würzig duftendes Gebüsch und lichte Pinienhaine hin zum alten Wachturm Torre des Garroveret rundet das wundervolle Erlebnis am südlichsten Punkt Formenteras auf gelungene Art und Weise ab.

Castellum Romà und Camí de Sa Pujada – Auf den Spuren der Römer

Um nun in den südöstlichen Zipfel der Insel zu gelangen, empfiehlt es sich entlang der Küste zu radeln, denn dort erstreckt sich der kilometerlange und damit längste Strand Formenteras, der Platja de Migjorn. Zwischen Dünen und Pinienwäldern finden aufmerksame Radler immer wieder einsam gelegene und von schroffen Felsen gerahmte Badebuchten. Weiter Richtung Osten befindet sich ein altes Römerkastell, von dem heute nur noch Ruinen erhalten sind. Einige Kilometer weiter startet der „Camí de Sa Pujada“, der wahrscheinlich schönste Wander- und Radweg der ganzen Insel. Auf einer Länge von 1,8 Kilometern überwindet er den leichten Höhenunterschied zwischen Küstenebene und der Hochfläche im Südosten rund um den Ort Pilar de la Mola. Die Aussicht beidseits des Weges auf das türkisblaue Meer und die strahlendweißen Strände bleibt garantiert unvergessen.

Die Hochfläche La Mola – Weizenmühlen, Hippies und Bob Dylan

La MolaOben auf der Hochebene „La Mola“ angekommen, säumen immer wieder kleine und größere Weinbauflächen die ansonsten recht karge Ebene. Zentraler Ort im Südosten der Insel ist Pilar de la Mola, welcher inselweit bekannt ist für seinen auffallend ursprünglichen Hippiemarkt. Jeden Mittwoch- und Sonntagnachmittag können Besucher in den bunten Auslagen der Stände stöbern und das eine oder andere besondere Mitbringsel ergattern. Alle angebotenen Waren stammen von der Insel und sind überwiegend aus echter Handarbeit entstanden. Live-Musik sowie traditionelle Speisen und Getränke sorgen für ein unvergleichliches Flair.
Am Ortsrand von Pilar erstrahlt eine weitere Sehenswürdigkeit in neuem Glanz. Die Rede ist von einer im Jahre 1778 erbauten Windmühle. Aufwendig restauriert steht sie einmal in der Woche Besuchern zur Besichtigung offen. Hartnäckig hält sich zudem das Gerücht Bob Dylan habe sich den Winter 1968 über in dieser ehemaligen Weizenmühle eingemietet.
Blickt man aus der hochgelegenen Ortschaft Pilar in Richtung Osten kann man bereits den Leuchtturm „Far de la Mola“ erblicken. Er markiert nicht nur den östlichsten, sondern auch den höchstgelegenen Punkt der Insel. Zu seinen Füßen bricht die Insel abermals in Form über 100 m hoher Felsklippen steil ab, sodass sich Besuchern eine traumhaft schöne Aussicht über das Mittelmeer eröffnet und in einem die Sehnsucht weckt, doch möglichst bald wieder auf die kleine, wunderschöne Insel Formentera zurückzukehren.